Chronik des Stocksportes

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gab es die ersten Ansätze zum sportlichen Eisschießen.

In den zwanziger Jahren hatte sich dieser Sport schon so weit durchgesetzt, dass man Verbände gegründet und Meisterschaften durchgeführt hat.

Das Eisstockschießen fand von Anfang an bei der Bevölkerung großen Anklang als Volksbrauch war es besonders Bauern und deren Knechte (die Bezeichnung Moar und Knechte für eine Mannschaft sind das beste Beispiel dafür), Handwerker, Arbeiter, Beamte und in den Eisenbahnknotenpunkten bei den Eisenbahner sehr beliebt. Sie fanden sich auf zugefroren Teichen und Seen und auch den gespritzen Eisbahnen zum Spiel auf dem Eis ein. Dies war auch ein Ort der besonderen Kommunikation.

 Winterlandschaft mit Eisläufern von Pieter Bruegel der Ältere, 1565


Wie lange es das Eisstockschießen gibt, weiß niemand, fest steht nur, dass Pieter von Breughel (um 1565) auf zwei seiner Gemälde Eisschießen auf zugefrorenen Grachten (Teichen) gemahlt hat. Rund 270 Jahre später hat Matthäus Loder unseren Steirischen Prinzen, Erzherzog Johann, beim Eisschießen auf dem Leopoldsteiner See gemahlt. Dort, in Eisenerz, wurde auch der erste Eischützenverein 1875 als 1. Bürgerliche Eisschützengesellschaft gegründet. Der heute noch aktive Verein WSV Eisenerz Stadt ist der Nachfolgeverein und damit der älteste Verein der Welt.

Nach den 1. Olympischen Spielen in Athen 1896 dachte man in Skandiavien über einen ähnlichen Bewerb für den Winter nach. 1900 wurden die 1. Nordischen Winterspiele durchgeführt. 1904 wurden in Mürzzuschlag, dem damaligen Mekka des Schilaufes, die 2. Nordischen Spiele veranstaltet. Eisstockschießen war im Programm.

Das Jahr 1936 brachte für den Eisschießsport den großen Höhepunkt - die Teilnahme an den Olypischen Winterspielen im Rahmen eines Vorführbewerbes in Garmisch-Partenkirchen/Deutschland.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden zahlreiche Verbände neu gegründet u.a. auch der internationale Eisschieß-Verband (IEV) mit einem Steirer an der Spitze, dem Grazer Alois Schober bis 1965 darauf folgten als IFE Präsidenten Ferdinand Baumer, Deutschland 1966-1971; Josef Wilfling, Österreich 1971-1976; Mag. Edelbert List, Deutschland 1976-1999; Dkfm. Manfred Schäfer, Deutschland 1999-dato

Bereits 1951 wurden die ersten Europameisterschaften veranstaltet. Zwei Jahre vorher gab es in Innsbruck die 1. Österreichischen Staatsmeisterschaften. Aus dem großen Potential des Volkssports "Eisschießen" holten die aufstrebenden Eisschützenvereine ihre Spitzenspieler bis in die 80er Jahre.

Einige Eckdaten des Steirischen Eisstocksport:

1.7.1934 Gründung des Landesverband Steiermark

Am 22.5.1935 wurde unter der Anregung der steirischen Vorstandsmitglieder Karl Pregetter, Franz Holzer, Josef Graf und Franz Hackl der Bundesverband der Österreichischen Eisschützen gegründet.

Ein brisantes Thema war zu dieser Zeit die Einfürung eines Einheitsstockes. Der Vorschlag kam wiederum von steirischen Vertretern, allerdings lehnte die Bundesversammlungden Antrag ab.

Bei der Jahreshauptversammlung des Landesverband Steiermark vom 22.05.1964 wurde beschlossen, dass bei der Landesmeisterschaften der Herren nur mehr Metallstock Stockkörper, Laufsohle und Stiel verwendet werden dürfen.

Den Grundstein zum Sommerbewerb wurde in den Jahren 1968 bis 1970 gelegt. Die Errichtung diverser Bahnen wie Terrazzo, Beton und Asphalt wurde in St. Ruprecht/Raab, Bruck/Mur, Weizklamm und Nestelbach bei Graz, erstmalig gebaut.

Die Umstellung von Lang- auf Kurzbahnen wurde 1973 im gesamten IFE Bereich durchgeführt, dies hatte jedoch mancherorts negative Reaktionen der Spieler zur Folge. Die Umstellung war notwendig geworden da vielerorts Kunsteisanlagen mit Eishockyfeldern errichtet wurden.

„Kleine Zeitung vom 19. Jänner 1935" schreibt:

Das große Eisschützenfest in WEIZ

Der monatelangen Propagandaarbeit des Weizer Eisschützenvereins WEIZ l, mit seinem rührigen Obmann Karl PREGETTER, Schuhfabrikant und Bürgermeister von WEIZ ist es zu verdanken, dass das „Alpenländische Meisterschafts- Eisschießen verbunden mit der „Ersten steirischen Meisterschaft „ am Schlossteich in THANNHAUSEN vom 19 - 21.01.1935 also von Samstag bis Montag durchgeführt wurde. 68 Vereine aus ganz Österreich haben sich für diesen Bewerb angemeldet.


„Empfang der auswärtigen Eisschützen in GRAZ"

Heute Samstag treffen die Vereine aus Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und Obersteiermark um 08.45 Uhr am Hauptbahnhof in GRAZ ein. Zum Empfang stellten sich Grazer Eisschützenvereine mit Ihren Funktionären zur Verfügung. Im Namen der Stadt GRAZ begrüßte Stadtrat Dr. FEDRIGONI alle Teilnehmer mit einem „Stock Heil". Der Steirische Landesverbandsobmann Oberrechnungsrat PRIBYL konnte neben den vielen Eisschützenvereinen auch die Obmänner von Kärnten, KLEEWEIN mit dem kärntnerischen Verbandsgruß „Eis Heil" den Tiroler Obmann FEISTHUBER sowie den Vorarlberger Obmann KAULBERSCH begrüßen. Nach einer Stadtbesichtigung war der Sammelpunkt für die Eisschützen die Zapfsäule am Jakominiplatz. Von dort ist um 12.30 Uhr der Abmarsch der Gäste und der Grazer Kampfmannschaften zur Alpenländischen Meisterschaft in WEIZ. Eine große Tafel die dem Zuge vorangetragen wurde kündigte den sportlichen Zweck der Veranstaltung an. An der Spitze marschierte die Eisenbahnerkapelle „ROSSMANN. Der Weg führte über die Schmiedgasse, Landhausgasse, Tegetthofbrücke, Tegetthofgasse, Vorbeckgasse, Annenstrasse zum Hauptbahnhof. Daran schlossen sich der Ausschuß des steir. Landesverbandes und die Landesobmänner der anderen Bundesländer denen in Dreierreihen die Vereinen folgten. Alle Teilnehmer hatten Tannenreisig angesteckt und marschierten mit geschultertem Eisstock. Viele Vereine u. a. die ESV von WAGRAM und BRÜNDL, vielen durch einheitliche Sportkleidung auf. Der Zug wurde vom Publikum wiederholt beifälligst begrüsst. Mit einem Sonderzug ging die Fahrt von GRAZ nach WEIZ. In WEIZ wurden die angereisten Eisschützen von den dortigen Honoratioren der Stadt und der umliegenden Gemeinden begrüsst.


Das Programm:

Samstag 20 Uhr:
Begrüssungsabend im Gasthaus HÖFLER(heute Rauchkuchl ACKERL) verbunden mit Konzert des Musikvereines WEIZ, sowie Gesangsdarbietungen durch die Sängerrunde des ESV WEIZ

Sonntag
08.00 Uhr:Festzug vom Dollfußplatz zum Schlossteich in THANNHAUSEN
08.30 Uhr: Beginn des Kampfschießens. Dauer bis ca. 17.00 Uhr
20 Uhr: Festabend mit musikalischen und gesanglichen Darbietungen im Gasthof HÖFLER

Montag
08 Uhr Fortsetzung des Kampfschießens bis 16.00 Uhr
20 Uhr: Siegerehrung und Preisverteilung mit anschließenden Konzert und Gesangsvorträgen im Gasthof HÖFLER Die Veranstaltung wurde am Sonntag um 22.00 Uhr auf Schallplatten durch Radio „WIEN" wiedergegeben.

„Der Landeshauptmann bei den Eisschützen in WEIZ"

Ein Festabend mit feierlicher Überreichung der Siegeszeichen schloss das glanzvolle Treffen der alpenländischen Eisschützen in WEIZ. LH Dr. STEPAN sprach, oftmals von stürmischen Beifall unterbrochen, über den Eisschützen Sport und seiner Bedeutung. Besonders gefreut hat es mich auch , sagte der LH, zu sehen, dass der Eissport nicht nur von alten Herren geübt wird, sondern dass auch die Jugend sich daran mit Begeisterung beteiligt. Der Eisschießsport ist wirklich auch für die Jugend bestimmt und ich möchte mir wünschen, dass gerade die steirische Jugend diesen in unserem Landes so altvererbten Sport von den „Alten" übernimmt und sich zu eigen macht. Ihr müsst mir, liebe jungen Freunde und Landsleute, versprechen, diesen Sport unter euch zu verbreiten. (Großer Beifall)

Siegerehrung:

Alpenländischer Meister 1935:
1. EV St. MARTIN b. KLAGENFURT
2. ESV WILTEN West/TIROL
3. ESV KROTTENDORF/WEIZ/ST

Steirischer Meister 1935:
1. ESV St. RUPRECHT a/Raab
2. ESV UNTERFLADNITZ
3. ESV FELDBACH

Seit 1935 bis heute wurden 63 Österreichische Staats- und Landesmeisterschaften der Herren im Eisstocksport - Mannschaftsspiel durchgeführt. Dabei wurden 31 Staatsmeistertitel in die Steiermark geholt. Davon gingen 8 SM Titel zum ESV Weizklamm.

Erst 1967 wurden auf Bundesebene Staatsmeisterschaften der Damen eingeführt.

Der "internationale Eisstocksport Verband" (IFE) führt seit 1951 Europameisterschaften der Herren, Damen, Junioren U23, Jugend U18, Jugend U16 in den Bewerben Mannschafts- , Weiten- , und Zielbewerb durch. Die 1. EM Herren 1951 war in Garmisch-Partenkirchen/Deutschland und die 1. EM Damen 1965 in Mittenwald/Deutschland.
Der Europacup wird im Weitenbewerb der Herren und für Vereinsmannschaften im Mannschaftsspiel der Damen und Herren durchgeführt.

1983 wurde die 1. Weltmeisterschaft für Damen und Herren in Frankfurt/Main durchgeführt. Österreich war mit der Mannschaft des ESV Olympia Weiz vertreten. Die Spieler waren, Josef Bedöcs, Walter Gross, Werner Leykauf,Heinz Moder und Walter Weber.

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